Alles perfekt? Hoffentlich nicht! Wir haben uns auf die Spur einer Entwicklung begeben, die gerade an Bedeutung gewinnt: der Sehnsucht nach dem Imperfekten. Was ein wenig unregelmäßig, rau und gröber ist, handgemacht und natürlich wirkt, erobert sich die Welt zurück. Ein paar Gedanken und Inspirationen dazu.

Q2 Glow – schöne Struktur, Höpke (Foto: Höpke, hoepke.de)
Wie viel Perfektion macht glücklich – und macht sie überhaupt glücklich? In einer Welt hocheffizienter, KI-gesteuerter Maschinen, die Fluten glattgebügelter Produkte auf den Markt werfen, ist das Imperfekte eher die Ausnahme. Selbst Obst und Gemüse im Supermarkt werden genormt, die Gurke aussortiert, wenn sie zu krumm ist. Grundsätzlich fühlen sich Menschen von Symmetrie angezogen. Doch perfekt symmetrische Gesichter wirken oft kühl und unnahbar – fast symmetrische dagegen werden als besonders schön empfunden. Macht also das Fast-Perfekte, das leicht Imperfekte glücklicher? Vielleicht. Sicher ist: Eine gewisse Unperfektion erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Alles, was nicht ganz gerade genäht, nicht exakt symmetrisch gewebt ist, sondern eher unregelmäßig, grob gestrickt, gesäumt oder gestaltet wirkt – als hätte eine menschliche Hand daran gearbeitet –, überzeugt immer öfter.
Wir könnten vom „Wie-selbst-gemacht-Trend“ sprechen, etwa wenn wir an grob gestrickte Wohndecken oder bewusst unregelmäßige Webstrukturen denken. Oder wir sprechen von Wabi-Sabi – einer ästhetischen Haltung aus Japan, die Einfachheit, Reduktion und das Nicht-Perfekte feiert. Hier wird der kleine Makel zum gestaltenden Element: nie in Masse, sondern entspannt und minimalistisch. Grobe Holzmöbel, unregelmäßig gewebte Stoffe, raue Wände – und ein Bild, das auch mal leicht schief hängen darf.
Oder wir geben dieser Entwicklung gar keinen Namen, sondern folgen einfach unserer Sehnsucht nach Imperfektion, die uns entlastet. Denn das Unperfekte lässt sich als Gegenentwurf zu einer immer smarteren Welt verstehen, in der sich Tagesabläufe bis auf die letzte Sekunde durchplanen lassen. Es entspannt – und erinnert uns daran, dass auch Menschen nie perfekt sind.

Coole große Masche: Karma, Indes Fuggerhaus (Foto: Indes Fuggerhaus, indesfuggerhaus.de)
Das Imperfekte ist außerdem meist auch das Individuelle. Haargenau die gleiche Macke wird selten in Serie produziert: Keine Gurke ist genauso krumm wie eine andere, jedes unregelmäßige Gewebe hat seine eigenen Unregelmäßigkeiten. Leichte Farbunterschiede im Garn, variierende Säume, bewusst charaktervolle Muster – all das sind einzigartige Schönheitsmerkmale. Sie erzählen von händischer Arbeit, von Ateliers und Werkstätten, von der Signatur des Handwerks. Anstatt sie auszusortieren, sollten wir uns an ihnen erfreuen. Vielleicht färbt diese Idee von kleiner Imperfektion im Zuhause auch auf unsere Haltung ab – und wir werden ein bisschen weniger streng mit uns und anderen.
Viele gute Gründe also, nach ein bisschen Stoff-Imperfektion zu suchen. Dabei haben wir einiges entdeckt, das unserem Zuhause diesen besonderen Hauch von Fast-Perfekt verleiht. Also: Inspirationen sammeln und 2026 einfach mal Fünfe gerade sein lassen.
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